Der Krieg - ein Kinderspiel?

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Kinder spielen Krieg

Kinder spielen Krieg – weil sie es nicht anders kennen. Sie salutieren mit Holzgewehren, selbstgebastelter Flagge und marschieren mit einer Spielzeugtrommel. Ein Kräftemessen in jungen Jahren. Später wird für viele von ihnen aus dem Spiel Ernst.

Narren und Kinder sagen die Wahrheit. Abwertend, glorifizierend, mit ernster Miene und doch mit dem Schalk im Blick. Die Karikatur fand schon früh Eingang in die Kunst der Graphik. Auf Papier konnte man Kritik leichter und vielfältiger verbreiten. Sie dient als Waffe aus dem Arsenal der bildenden Kunst. Ihre Bilder sind aktuell. Sie übertreibt, spitzt zu und hält Betrachtenden den Spiegel vor.

Zwei satirische Blätter auf das Soldatenleben

Die beiden Darstellungen gehören zu einer Reihe von satirischen Blättern auf das Soldatenleben. Der Augsburger Verleger Albrecht Schmidt hatte sich um 1700 auf die Form der Karikatur spezialisiert. Augsburg selbst war im 18. Jahrhundert europäisches Zentrum religiöser und profaner Druckgraphik.

Diese Art der Kritik am Zeitgeschehen wurde frühzeitig in der Druckgraphik umgesetzt. Am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit waren es vor allem politische und religiöse Kämpfe, die in Flugblättern verspottet wurden. Der Kupferstecher Jacques Callot (1592–1635) hatte im 17. Jahrhundert besonders zur Entwicklung der Karikatur beigetragen.

Die wesentlichsten Stilelemente der Karikatur sind die Übertreibung, Verallgemeinerung und eine klar erkennbare Wertungstendenz – oft versinnbildlicht mit grotesken Antihelden. Die Karikatur reagiert auf aktuelles Geschehen. So verwundert es nicht, dass das Soldatengenre in einer Zeit der ständigen Kriege in Europa aufs Korn genommen wird.

Kinder spielen Krieg, 1788

Die Reproduktion eines Gemäldes des englischen Genre- und Landschaftsmalers George Morland zeigt zehn Kinder, die Soldaten spielen. Drei von ihnen haben sich mit geschulterten, einfach geschnitzten Gewehren aufgestellt, einer kniet ehrfurchtsvoll. Der Junge mit der selbstgebastelten Fahne scheint die Rolle des Feldherrn mit der Befehlsausgabe übernommen zu haben. Das Mädchen neben ihm hat mit ihrer Spielzeugtrommel die „Truppe“ gerade zusammengetrommelt.

Der Kleidung nach stammen die Kinder aus adeligen bzw. sehr gut situierten bürgerlichen Häusern.

Unter seinen zahlreichen Genrebildern heben sich in Morlands Œuvre vor allem Darstellungen unbekümmert spielender Kinder hervor.

Im Europa der Frühen Neuzeit wachsen Kinder mit dem Bild des Krieges auf. Die immerwährende Bedrohung ist beinahe schon Alltag. So fließt das Thema auch in das Kinderspiel ein. Bis heute bedeutet dies aber nicht nur ein Nachstellen von Kriegsszenen, sondern durchaus auch ein Kräftemessen bzw. ein Ausloten, wer der Stärkere ist.