Von Waldmüller bis Schiele

Meisterwerke aus der Sammlung der Neuen Galerie in Schloss Eggenberg

19.05.2001 - 12.01.2003

Bildinformationen

Laufzeit

19.05.2001 - 12.01.2003

Eröffnung

18.05.2001, 19 Uhr

Ort

Neue Galerie Graz

Kuratiert von

Gudrun Danzer

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Über die
Ausstellung

Schloss Eggenberg


Zusatzinformationen

Ort: Schloss Eggenberg

Ursprünglich bis 30.09.2002, verlängert bis 12.01.2003

Nach Qualität und Quantität zählt die Sammlung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts der Neuen Galerie Graz zu den bedeutendsten ihrer Art in Österreich. Mit Mai 2001 ergibt sich nun die sehr attraktive Möglichkeit, sie in Schloss Eggenberg zu zeigen. Die Gestaltung der Ausstellung nimmt Bezug auf diesen spezifischen Ort: Die Besucher können die großzügigen Räumlichkeiten des Schlosses inmitten des Landschaftsparks erleben und genießen.

Die Konzeption orientiert sich am Charakter der Sammlung, in deren Zentrum seit ihrem Entstehen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die österreichische und speziell die steirische Kunst stehen. So können in der Schau, die den zeitlichen Rahmen von ca. 1800 bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts umfasst, neben den wichtigsten Wiener Meistern steirische Künstler studiert werden, die anderswo kaum oder gar nicht zu sehen sind. Bei der Auswahl gab die Qualität der Werke den Ausschlag, doch wurden auch bisher weniger beachtete Schwerpunkte gesetzt. Die Hängung folgt einer grundsätzlichen Chronologie.

Den Einstieg bildet die ideale Welt des Klassizismus mit Landschaften und Historien der Wiener Akademie von Schödlberger, Kniep, Petter und Füger.

Die Malerei des Biedermeier war bestrebt, die tatsächliche Welt im Bild festzuhalten. Einer ihrer Pioniere, Franz Steinfeld, ist mit wunderbaren Ansichten von Salzkammergutseen vertreten. Friedrich Gauermann entwickelte die Biedermeierlandschaft weiter - von intimen Naturstudien zu dramatischen Kompositionen, die eine reiche Nachfolge fanden. Von aufklärerischen Ideen inspiriert ließ Erzherzog Johann seine Kammermaler die Landschaft der Steiermark systematisch erfassen. Ein graphisches Kabinett ist ihren Arbeiten gewidmet. Ein weiteres stellt Grazer Ansichten von den Brüdern Kreuzer, von Kuwasseg, Passini und anderen vor. Ferdinand Georg Waldmüller ist mit Genreszenen vertreten, in denen seine moralischen Forderungen an die Kunst deutlich werden. Komisch und doch tiefgründig und kritisch bezieht Josef Danhauser 1829 zur zeitgenössischen Kunstproduktion im Spannungsfeld zwischen Akademie und Auftraggebern Stellung. Ein herausragendes Beispiel biedermeierlicher Porträtkunst ist Amerlings Bildnis der Julie Gräfin von Woyna, später verehelichte von Benedek, die mit ihrem Legat von 1895 zu einer der bedeutendsten Mäzeninnen der Neuen Galerie wurde. Der Waldmüller-Schüler Ernst Christian Moser war Porträtist und Genremaler in Graz, besonders das Bildnis seiner Mutter fesselt durch seinen erstaunlichen Realismus. Eine Sonderrolle kommt dem ebenfalls aus Graz gebürtigen Ferdinand Mallitsch zu, der abgeschieden vom Kunstbetrieb einen sehr qualitätvollen Personalstil entwickelte.

Die Werke der französischen Maler von Barbizon, Dauerleihgaben von Dr. Rudolf Polheim, Basel, bilden einen Spezialbereich der Sammlung. Sie fertigten nicht mehr nur Skizzen im Freien an, sondern vollendeten häufig auch die Ölbilder vor der Natur. Das war neu und sie gelten damit als die Vorläufer des Impressionismus. In ihrer Nachfolge und als Gegenbewegung zu der akademisch gewordenen nachbiedermeierlichen Landschaft entstand in Österreich der Stimmungsrealismus. Dazu zählen einige der schönsten Bilder der Ausstellung von Schindler, Egner, Hörmann, Jettel oder Alfred Zoff.

Licht und Exotik des Orients waren die Themen der sogenannten Orientalisten. Ihre Bilder verkauften sich gut - ein Indiz für die Sehnsüchte der Gründerzeit. In Österreich war Alois Schönn einer ihrer Pioniere, Leopold Carl Müller wohl der bekannteste von ihnen. Er war mit Pettenkofen befreundet, dem Gründer der Malerkolonie im ungarischen Szolnok, wo viele Wiener Maler, darunter Johann Gualbert Raffalt, des Lichtes und der exotischen Motive wegen arbeiteten. Die Wiener Gründerzeit hat einen alle Bereiche des Lebens prägenden Stil hervorgebracht und ihn nach ihrem berühmtesten Maler, Hans Makart, benannt. Seine Gemälde zeigen oftmals theatralische Inszenierungen historischer oder literarischer Szenen. Die Vorlieben des nun zur führenden Gesellschaftsschicht aufgestiegenen Bürgertums spiegeln Bilder von Kray oder Seyffert mit ihrer pathetischen Verquickung von Gegenwart und Mythos.

Die radikale Erneuerung, welche die Kunst durch die Wiener Secession erfuhr, kann an graphischen Arbeiten, allen voran an den Zeichnungen Gustav Klimts, studiert werden. Seine Entwürfe zu einigen der berühmten Frauenbildnisse und zu den Fresken der Universität, die einen heftigen Kunstskandal auslösten, sind besonders zu erwähnen. Einen absoluten Höhepunkt der Sammlung bildet Egon Schieles "Stadtende", in seinem letzten Lebensjahr 1918 gemalt. Die unvergleichlichen Zeichnungen und Aquarelle dieses wichtigsten Vertreters des österreichischen Expressionismus, meist Frauen- und Mädchenakte, zeigen die Radikalität und Genialität seines künstlerischen Ansatzes. Der Ausstellungsrundgang schließt mit einer Auswahl von Werken österreichischer und steirischer Künstler der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Neben dem vorherrschenden Expressionismus, vertreten durch wichtige Werke Thönys, Boeckls (z. B. "Erzberg" 1942) und Koligs zeigen sich hier die unterschiedlichen Strömungen der internationalen Moderne, die durch Künstler wie Alfred Wickenburg oder Kurt Weber aufgenommen und in ihrem Werk reflektiert wurden.

Einblicke

Anton Petter, Kaiser Maximilian I und Maria von Burgund, 1813

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Egon Schiele, Weiblicher Akt auf kariertem Tuch, 1911

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Franz Steinfeld, Altausseersee mit Trisselwand, circa 1825

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Wilhelm Thöny, Kinder im Garten, vor 1930

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Alfred Zoff, Vorfrühling in Stainz, 1917

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Ernst Christian Moser, Porträt der Mutter, 1859

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