Jörg Schlick

Ein Würfelwurf niemals je auslöschen wird den Zufall!

16.04. - 23.05.2004

Bildinformationen

Laufzeit

16.04. - 23.05.2004

Eröffnung

15.04.2004, 18 Uhr

Ort

Neue Galerie Graz

Kuratiert von

Elisabeth Fiedler

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Über die
Ausstellung

Hofgalerie der Neuen Galerie Graz


Zusatzinformationen

Ort: Hofgalerie der Neuen Galerie Graz

Mit der Ausstellung unter dem paradoxen und sich selbst widersprechenden Titel "Ein Würfelwurf niemals je auslöschen wird den Zufall!" verweist Jörg Schlick einerseits auf die Ästhetik der Absenz, aus der die Immaterialität ihren Ursprung nimmt, andererseits präsentiert er nahezu 400 farbenprächtige Fotoarbeiten.

Vorstellungen zu den Begriffen Leere und Reinheit finden einen Kulminationspunkt in der Dichtung "Der Würfelwurf" von Stephane Malarmé aus dem Jahr 1897, in dem das Problem der Auflösung beispielhaft zum Ausdruck kommt: Alles bleibt Zufall, Wüste, Nichts, Nacht, Leere, außer es kommt zu einer Konstellation, zu einer Ordnung von Zeichen. Das Absurde, das Unendliche, das Absolute werden hier angesprochen. Das Ideal, dem weder durch Selbstauslieferung an den Zufall noch mittels Durchkomponierung einer autonomen oder genialen Vorstellung nahe zu kommen ist, bleibt allerdings unerreichbar.

So wählt Jörg Schlick nach dem Moto Antonin Artauds "Schluß mit dem Meisterwerk" den Weg des Dilettanten, der präzise am Hauptwerk vorbeisteuert. Nicht die Wahl des Mediums ist ihm dabei wichtig, sondern das Resultat seiner Arbeit. Manisch, unvollendbar trotz immensen Arbeitseinsatzes konstruiert er nicht neu, sondern lenkt unseren Blick auf das schon immer Gesehene und gleichzeitig auf das Unendliche. Trotz der zielgerichteten Fokussierung auf Motive menschlicher Konstruktion und vegetabiler Erscheinungsformen wird die Bedeutung der einzelnen Arbeit dem Erzeugen eines Musters, eines Rhythmus, einer stringenten Dynamik untergeordnet.

Die eruptive Fülle der Natur überschneidet sich mit Schlicks ästhetischem Blick auf Details, die er vexierbildhaft und kaleidoskopisch zu Vierergruppen bündelt. Ob es sich dabei um genomische Zusammensetzungen handelt oder um die Frage nach unterschiedlichen Wirklichkeitsmodellen, bleibt dabei sekundär, wichtig ist die mikrokosmische Untersuchung eines Gesamten, wobei das Vorläufige, das Fragment, das Scheitern der Bruch im Vordergrund steht. Trotz der verführerisch schönen Erscheinung im Ausschnitthaften weckt das Partikulare Assoziationen zu ökologischen, politischen und soziokulturellen Zusammenhängen und Problemen. Das menschliche Antlitz bleibt bezeichnenderweise ausgeschlossen, denn Jörg Schlick strebt ebenso wenig nach dem Ikon wie nach dem auratischen Hauptwerk.

Kann er schon nicht die Meisterschaft eines Joachim Raffael Borronali, seinem großen Vorbild, erlangen, so erzeugt er in multiplikatorischer Serialität Strukturen, die jeden Ganzheitsanspruch ignorieren. Gleich Sisiphos, der sein Ziel nie erreichen kann, feilt Schlick, allerdings im Wissen um diese Unmöglichkeit ohne Unterlaß an seinem Blick. Die Mainstream - Fotokunst in ihrem Perfektionsanspruch ironisierend produziert der Meisterschüler Michael Krebbers in amateurfotografischem Understatement und im, dem medialen Vervielfältigungs- und Verbreitungsanspruch gerecht werdenden Medium der Fotografie. Gleichzeitig bricht er die Reproduzierbarkeit und den Verdacht auf Beliebigkeit durch das Mittel des einmaligen Abzugs und unterläuft seine eigene Medienkritik über den Weg einer dem Kunstmarkt widersprechenden absurd hohen Einzelproduktion.