Günter Schimunek

Was gafft uns an?

27.08. - 26.09.2004

Bildinformationen

Laufzeit

27.08. - 26.09.2004

Eröffnung

26.08.2004, 19 Uhr

Ort

Neue Galerie Graz

Kuratiert von

Elisabeth Fiedler

Alle anzeigen

Über die
Ausstellung

Hofgalerie der Neuen Galerie Graz


Zusatzinformationen

Ort: Hofgalerie der Neuen Galerie Graz

Präsentation des Buches Günter Schimunek: Der Kunstvermalungsverführer von Joachim J. Vötter, erschienen im Verlag Bibliothek der Provinz, Weitra 2004.

Die Ausstellung in der Neuen Galerie befaßt sich mit Arbeiten von Günter Schimunek, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden sind. Seine Verbindung zur Literatur verdichtet sich in den 1970er Jahren, als in Graz Dichter wie H. C. Artmann, Wolfgang Bauer, Helmut Eisendle, Gunter Falk, Reinhard P. Gruber, Ernst Jandl, Gert Jonke, Gerhard Roth oder Alfred Paul Schmid, einen zentralen Schwerpunkt in der Zeitschrift Manuskripte einnehmen.

Das Forum Stadtpark, die erste Mehrsparten - Künstlervereinigung und die daraus resultierende Interdisziplinarität vor allem in den 1970er Jahren sind für Schimunek ebenso wichtig wie seine zahlreichen Auslandsaufenthalte, während der er Einflüsse außereuropäischer Kulturtraditionen aufnimmt und in seine Arbeit integriert. Trotz seiner unverkennbaren Handschrift und Erzählstruktur löst sich er sich immer wieder aus seinem Formenvokabular, um sich auf Neues einzulassen und mit anderen Künstlern, mit Günter Brus, Helmut Eisendler oder Werner Schwab zu kooperieren.

Misch- und Zwitterwesen, fragmentierte Körper, deren Köpfe durch immer wiederkehrende Masken verborgen bleiben oder kaskadenartig aufgebaute Fratzen bevölkern Schimuneks groß angelegte Collage, die flashlightartig die jahrzehnte umfassende Geschichte seiner Arbeiten beleuchtet. Gleich Blicken in surreale Traumwelten öffnet er bunte, überquellende Fenster in fremde Wahrnehmungsvorstellungen. Kaleidoskopartig und gleichzeitig staccato- und bruchstückhaft entführt er uns in Phantasien unendlicher Dimension, in denen man dennoch Erinnerungs- und Wiedererkennungsversuche unternimmt.

Sein Interesse an Perspektiven, am Körper und an der Verschneidung unterschiedlicher Wirklichkeiten und Techniken reicht hinab in die Urgründe menschlichen Vorstellungsvermögens und verbindet christlich-okzidental geprägte Traditionen mit außereuropäischen, die Grenzen des Realen überschreitenden Vorstellungen. Immer wichtiger wird auch die psychedelische und entrückte Farbgebung seiner Arbeiten, die sich vor allem durch das Reisen entwickelt. Seit vielen Jahren erforscht Schimunek in monatelangen Aufenthalten in Bali, Indien, Indonesien, Malaysia oder Singapur fremde Kulturen und integriert Göttergestalten und Tempelfragmente wie Kulissen eines Science-fiction-Films in seine Bilder, was ein eindeutiges Raum- und Zeitgefühl nicht mehr zulässt. Seine Wesen werden vermehrt gesichts- oder kopflos, tragen Puppenköpfe oder Masken, werden anonym. Verdichtete Massen, die ins Leere blicken, treten als hohläugige Macht auf, die an Francisco de Goya, Odilon Redon oder Alfred Kubin erinnern.

Die Zusammenarbeit von Dichter und Maler, die Kohärenz der Absichten und die von Gunter Falk beeinflusste soziologische Bedeutung der Überlagerung und Austauschbarkeit zweier schematischer Gesichter, die an die Abstraktion von Höhlenmalereien denken lässt, bringt Eisendle mit folgendem Satz auf den Punkt: "Gut, sagen beide im Chor, das Gemini-Projekt ist der spielerische Versuch alles, was Maler und Literaten tun, und was stets ein Stigma des Originellen und Individuellen an sich trägt, zu verunsichern." Ebenso interessiert ihn die neu entwickelte Sprache von Werner Schwab, mit dem er eng zusammenarbeitet oder Günter Brus, den Dichter und bildenden Künstler, dessen prägnant-absurde Sprache sich in der Arbeit "Blockwart" mit einer monumental-ironischen Bildsprache von Günter Schimunek verbindet.