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Graz, am 26. Februar 2025
Welche Macht hat die Stimme in einer Welt, in der das Schweigen zum politischen Instrument wird? Freeing the Voices im Kunsthaus Graz geht dieser Frage nach und versammelt künstlerische Positionen, die sich mit der Befreiung von Stimmen auf vielfältige Weise auseinandersetzen. Die Schau, kuratiert von der slowenischen Kunsthistorikerin und ehemaligen Direktorin des MSU Zagreb, Zdenka Badovinac, präsentiert 27 künstlerische Positionen mit besonderem Fokus auf Videoinstallationen.
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"Freeing the Voices" eröffnet am 27. Februar um 18 Uhr im Kunsthaus Graz: Die Leiterin des Kunsthauses Graz Andreja Hribernik (Mitte) mit der Kuratorin der Ausstellung Zdenka Badovinac und Assistenzkurator Martin Grabner vor der Arbeit "Curtain Poetry" von Babi Badalov, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek
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Titelgebend für die Ausstellung, die sich mit der Kraft der Stimme beschäftigt, ist die Performance Freeing the Voice, eine frühe Arbeit von Marina Abramović, die in ihrer Erkundung und Überschreitung von Grenzen prägend für die Performance- und Körperkunst ist. Die Ausstellung beginnt auch mit dieser Stimme: dem Schrei von Marina Abramović, dem Schrei eines Menschen. Im Laufe der Ausstellung entwickelt sie sich zu einer Vielzahl weiterer hauptsächlich menschlicher Stimmen und sie endet im Werk von Tao G. Vrhovec Sambolec mit der Stimme einer Mücke. Wir hören die Stimme der Mücke nicht mit unseren Ohren, ihre Präsenz entsteht aus unserem radikalen Zuhören. Zuhören ist nicht dasselbe wie Hören: eine Besonderheit liegt in unserer Aufmerksamkeit und unserem Bewusstsein für uns selbst und andere, menschliche und nicht menschliche Wesen und Dinge.
"Ich freue mich sehr, hier zu sein und diese Ausstellung kuratieren zu dürfen. Ich denke, gerade nach der COVID-19-Pandemie ist eine Ausstellung über die Stimme von besonderer Bedeutung. Während der Pandemie haben wir fast ausschließlich ohne Körper, ohne Stimme kommuniziert – sondern über Textmessages oder Ähnliches. Umso wichtiger ist es nun, die Stimme wieder physisch erlebbar zu machen. Die Ausstellung thematisiert auch Sprache – verschiedene Sprachen – gerade in der heutigen Zeit ist es essenziell, diese zu hören, zuzuhören und von ihnen zu lernen", so die Kuratorin Zdenka Badovinac.
"Freeing the Voices ist die zweite Ausstellung, die wir im Rahmen unseres Jahresthemas für 2025 präsentieren: Umgänge mit der Macht– von der Unterdrückung über Empowerment bis hin zur radikalen Hoffnung. Wir freuen uns ganz besonders, dass wir mit Zdenka Badovinac eine international anerkannte Kuratorin für diese Ausstellung gewinnen konnten", so die Leiterin des Kunsthauses Graz, Andreja Hribernik.
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Als "Singing Revolution" werden die friedlichen Massenproteste in Estland, Lettland und Litauen bezeichnet, die in den Jahren 1988 bis 1991 die Unabhängigkeit der Sowjetunion forderten. Für ihre Arbeit hat die Anna Jermolaewa in jeder der drei baltischen Hauptstädte einen Chor zusammengestellt, der Befreiungslieder dieser Bewegungen singt, Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek © Bildrecht Wien, 2025
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Warum ist eine Ausstellung über die Stimme heute so wichtig? Die Welt, in der wir leben, ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Die Vielzahl von Krisen und völkermörderischen Kriegen sowie der Verlust des gemeinsamen Raums, in dem Körper miteinander in Resonanz treten, haben ein Gefühl der Erstickung und Panik erzeugt. Um uns herum hat sich eine Kultur des Schweigens ausgebreitet, der Raum für freie Meinungsäußerung schwindet und der Ruf nach einer "Cancel Culture" wird immer lauter. Aber dieses Schweigen, diese Zensur ist nicht das einzige Mittel der Kontrolle. Wir sind einem Informationsrauschen ausgesetzt, das uns noch mehr überwältigt. Einem Lärm, in dem der Sinn, der uns als sozialer Körper zusammenhält, zum Schweigen gebracht wird. Angesichts all dessen reicht es nicht mehr aus, einfach festzustellen, dass wir nicht mit unserer eigenen Stimme sprechen, sondern dass dahinter immer die Stimme eines „Meisters“ steht. Es ist an der Zeit zu handeln, auch wenn es nur ein unartikuliertes Schreien oder Murmeln ist.
Obwohl es so etwas wie unsere eigene authentische Stimme nicht gibt, ist die Befreiung unserer individuellen und kollektiven Stimme der gemeinsame Rahmen der gezeigten künstlerischen Arbeiten. Die Befreiung unserer Stimmen bedeutet nicht, ein Selbst zu finden, dem unsere Stimme perfekt entspricht. Was wir mit der Stimme wirklich befreien, ist unsere Beziehung zur Welt. Die Werke versuchen, die verschiedenen Stimmen bestimmter Traditionen, Nationen und ihrer Gemeinschaften und Landschaften, die Stimmen von Frauen, People of Colour, Menschen von den Rändern Europas und die Stimmen unserer individuellen Körper zu dekolonialisieren. Die Befreiung der Stimmen bedeutet atmen, schreien, dichten, singen, sprechen und murmeln.
Die Künstler*innen machen auch auf die Krise der Moderne und ihrer rationalen Konstruktionen aufmerksam. Ihre Sprache geht über universelle Konzepte hinaus und verkörpert besondere Erfahrungen und Wissen. Eine Stimme ist immer eine spezifische Stimme. Und es gibt keine Stimme, die nicht gehört werden kann, also sind die befreiten Stimmen nur jene, die gehört werden. Und Zuhören hat die Kraft zu heilen, zu verbinden und Widerstand zu leisten.
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Diese Arbeit von Antoni Rayzhekov versammelt Stimmen aus Interviewpassagen von politischen Schlüsselfiguren Bulgariens. Der Künstler hat bei den Interviews alle gesprochenen Worte entfernt und so bearbeitet, dass nur noch Laute erklingen. Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek
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Mit Werken von Noor Abed, Marina Abramović, Lawrence Abu Hamdan, Babi Badalov, selma banich, CO2 ... a couple of artists, VALIE EXPORT, Farhad Farzali, Essa Grayeb, Ida Hiršenfelder, Saodat Ismailova, Anna Jermolaewa, Mikhail Karikis, Anton Kats, Belinda Kazeem-Kamiński, Brandon LaBelle & Octavio Camargo, Katalin Ladik, Lucia Nimcová, Lala Raščić, Antoni Rayzhekov, Gerhard Rühm, Selma Selman, ŠKART & NONpractical Women, Mladen Stilinović, Irena Z. Tomažin, Nora Turato, Tao G. Vrhovec Sambolec.
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FREEING THE VOICES
Eröffnung: 27.02.2025, 18 Uhr Laufzeit: 28.02.2025–24.08.2025 Kuratiert von Zdenka Badovinac
Assistenzkurator: Martin Grabner Ort: Space02
www.kunsthausgraz.at
Den Pressetext und Ausstellungsansichten zu Download finden Sie hier: FREEING THE VOICES
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VERANSTALTUNGEN
Kuratorinnenführung mit Zdenka Badovinac 28.02.2025, 18–19 Uhr, Eintritt frei, Führung in englischer Sprache
Eröffnungskonzert mit Irena Z. Tomažin & Elisabeth Harnik Whispering Walls 28.02.2025, 19–20 Uhr
Das Eröffnungskonzert basiert auf dem Werk Whispering Walls von Irena Z. Tomažin. Gemeinsam mit der in Österreich lebenden Pianistin und Komponistin Elisabeth Harnik komponiert sie ein elektro-akustisches Musikexperiment aus alten Volksliedern und zeitgenössischer experimenteller Musik. Teile des Konzerts sind vorgegeben und komponiert, während andere Teile improvisiert und durch Sprachaufnahmen oder Lesungen verschiedener zensierter oder unbeachteter zeitgenössischer Texte untermauert werden.
Ab Ende März findet zudem eine Konzertreihe in Kooperation mit dem Studiengang PPCM vokal der Kunstuniversität Graz unter dem Titel Lass es raus! statt. In Kooperation mit dem Institut für Kunst- und Musikwissenschaft, Arbeitsbereich Zentrum für GegenwartsKunst, Universität Graz, und Strange Tools Research Lab der University of Cincinnati
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Wir freuen uns auf Ihre Berichterstattung stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung!
Daniela Teuschler +43/664/8017-9214, daniela.teuschler@museum-joanneum.at
Stephanie Liebmann +43/664/8017-9213, stephanie.liebmann@museum-joanneum.at
Eva Sappl +43/699/1780-9002, eva.sappl@museum-joanneum.at
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