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Sammlung

1811 ist ein Krisenjahr in der  Geschichte Österreichs. Der Aufbau einer Kunstsammlung in Graz scheint undenkbar. Mit der Gründung des Joanneums startet Erzherzog Johann eine beispiellose Kultur- und Bildungsinitiative im Sinne aufklärerischer Pädagogik, in modernen Worten: Er betreibt aktive Standortpolitik.

Einen ersten Grundstock bildet die Vorbildersammlung der "Steirischen Ständischen Zeichenakademie", die 1787  aus einer privaten Zeichenschule des Kupferstechers Johann Veit Kauperz hervorging. Neben wichtigen  Zuwendungen des Museumsgründers und auch des kaiserlichen Hofes in Wien wird die Sammlung von einer Reihe von Legaten geprägt: Josef August Stark (1838), Ignaz Graf Attems (1861), Baron Sessler-Herzinger (1870) und vor allem Julie von Benedek (1895). In diesem Jahr wird die Sammlung in das neue Museumsgebäude in der Neutorgasse 45 überführt. Dieser repräsentative Bau im Stil des Wiener Neubarock ist primär als „Kulturgeschichtliches Museum“ der Steiermark gedacht, wozu ganz im Sinne der Zeit auch die Mittelalterbestände gehören. 1941 erfolgt die Abtrennung der Bestände des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie bilden die Basis für eine eigene Abteilung des Joanneums: die „Neue Galerie“. Doch bleibt das Problem der räumlichen Enge über Jahrzehnte akut. Seit der Neuaufstellung im Jahr 2005 präsentiert sich die Alte Galerie daher in erneuerter Form in Schloss Eggenberg.

Die Sammlung mittelalterlicher Kunst umfasst größtenteils Objekte aus der Steiermark und ist neben der Mittelalterabteilung der Österreichischen Galerie im Unteren Belvedere in Wien dank ihres Reichtums an herausragenden Tafelbildern und Skulpturen die bedeutendste Sammlung ihrer Art in Österreich. Besondere Erwähnung verdient die Admonter Madonna, ein Hauptwerk der hochgotischen Skulptur von europäischem Rang. Die Votivtafel bzw. die Kreuztragung aus St. Lambrecht repräsentieren ebenfalls auf europäischem Niveau die Ausstrahlung der „Internationalen Gotik“ in der Steiermark. Unter den Hauptwerken der Spätgotik, die vor allem mit qualitätsvollen steirischen Zeugnissen aufwartet, sind Tafeln von Michael und Friedrich Pacher. Den wachsenden Einfluß der Renaissance auf die Entwicklung der heimischen Kunst belegen der monumentale Große Mariazeller Wunderaltar sowie die singuläre Namenstafel des Meisters des hl. Martin aus Bruck an der Mur.


Hinzu kommt ein ansehnlicher Bestand an hoch- und spätgotischer Glasmalerei aus heimischen Kirchen (Pichl bei Tragöß, Straßengel, Gratwein). Regional bedeutsame Zeugnisse gotischer Wandmalerei runden das Bild eines komplexen mittelalterlichen Kulturerbes ab.

Die Sammlung neuzeitlicher Kunst zeigt wesentliche Strömungen europäischer Malerei seit dem frühen 16. Jahrhundert. Die deutsche Renaissance ist durch Lucas Cranach d.Ä. sowie eine singuläre Bronzeplastik von Stefan Godl bzw. Leonhard Magt vertreten.

Das Panorama der nachmittelalterlichen flämischen Malerei in ihrer einzigartigen Vielfalt der Gattungen wird bestimmt durch führende Antwerpener Meister wie Herri met de Bles, Frans Floris, Jacques de Backer, Marten de Vos, Jan Brueghel d.Ä., Pieter Breughel d.J., Gillis III van Coninxloo, Joos de Momper d.J., und David Teniers d.J. bis hin zur Rubens-Nachfolge um Cornelis de Vos und Erasmus II Quellinus. Die nordalpine Entwicklung von der Renaissance bis zum Barock wird so in Grundzügen nachvollziehbar. Den internationalen Spätmanierismus in den Habsburgerresidenzen Prag und Brüssel repräsentieren Hauptwerke von Bartholomäus Spranger, Giambologna und Hendrick de Clerck. Hinzu kommen Werke süddeutscher Vertreter des frühen Barock wie Hans Rottenhammer, Johann König und Johann Heiss.

Eine Sonderstellung nimmt der venezianisch geschulte Lombarde Giovanni Pietro de Pomis als führender Maler und Architekt am innerösterreichischen Hof in Graz um1600 ein. Der italienische Barock präsentiert sich in Werken von Domenico Fetti,  Pietro della Vecchia, Luca Giordano und Francesco Solimena.

Zahlreiche Gemälde und Ölskizzen von Malern aus Süddeutschland und den alten habsburgischen Kronländern lassen die Spannweite der Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa erlebbar werden: Johann Heinrich Schönfeld, Johann Michael Rottmayr, Franz Anton Maulbertsch, Norbert Grund, Johann Georg Platzer, Franz Christoph Janneck sowie der bedeutendste Werkkomplex von Martin Johann Schmidt, genannt "Kremser Schmidt". Skulpturen von Josef Stammel, Philipp Jakob Straub und Veit Königer vermitteln ein anschauliches Bild spätbarocker Sakralplastik in der Steiermark.


Das Kupferstichkabinett umfasst ca. 15.000 Blätter. Es enthält Handzeichnungen und Druckgrafiken aus der Zeit von 1500 bis Ende des 18. Jahrhunderts. Darunter finden sich international führende Künstler wie Albrecht Dürer, Lucas van Leyden, Jacques Callot, Stefano della Bella, Rembrandt, Daniel Chodowiecki, Giambattista Piranesi und Francisco de Goya.

Bei den Handzeichnungen dominieren die süddeutschen und österreichischen Künstler des 18. Jahrhunderts, wie Franz Anton Maulbertsch, Paul Troger, Martin Johann Schmidt, genannt "Kremser Schmidt" und Daniel Gran.

Die Bestände des Kupferstichkabinetts sind nach Voranmeldung einsehbar und Gegenstand regelmäßiger Lehrveranstaltungen der Grazer Universitäten.

-> Beteiligung am Netztwerk Graphische Sammlungen im Internet