Mit der Alten Galerie durch das Jahr
Johann Georg Platzer: Mythologische Szenen
Johann Georg Platzer (1704-1761)
Mythologische Szene mit Apoll und Bacchus
37 x 46 cm, Öl auf Kupfer
Inv.-Nr. 194 (Gegenstück mit Neptun und Amphitrite: Inv.-Nr. 195)
Die Alte Galerie darf einen der größten öffentlichen Bestände von Werken Georg Platzers ihr Eigen nennen. Fast am Ende der Schauräume der Alten Galerie in Schloss Eggenberg (in Raum 20) angesiedelt, bringen sie die Sammlung im Wortsinne noch einmal zum Funkeln.
Johann Georg Platzer (1704-1761) hat wie kaum ein anderer im deutschen Sprachraum den schon anklingenden Geist des Rokoko festgehalten und in kostbaren Bildern dessen Vorliebe für eine heitere sorglose Existenz beschworen - abseits von den Bedrängnissen einer kriegserfüllten Zeit.
Stattdessen beschwört Platzers strahlend bunte Palette eine heitere Gegenwelt, deren Personal zwar auf dem Olymp wohnt, aber von schicksalsschwerem, tragischem Ernst völlig frei ist. Dieser wiederum ist typisch für die Historienmalerei, wie sie an allen Akademien Europas gepflegt und für die wichtigste Gattung gehalten wurde. Ein großer, für zeitlos gehaltener Stoff konnte nicht anders als groß aufgezogen werden, eine gemalte Oper. Große Manier nannte man das deswegen überall in Europa, gran maniera, grande manière, grand manner. Aber im Rokoko war man dessen müde geworden, und die Kabinettmalerei - vorzugsweise auf kleinen Kupferplatten - wie sie über ein Jahrhundert zuvor in den Niederlanden erfunden worden war, erlebte in den Salons der Sammler eine buchstäblich glänzende Renaissance.
Nicht nur eine geradezu explosive Farbwahl ist für Platzer bezeichnend, es ist auch die hohe Anzahl der Figuren, die viele seiner Bilder auszeichnet. Schließlich wollte der Maler beweisen, dass er im kleinen Format dasselbe beherrschte, was die Kollegen vom Historienfach im Großen vollführten: das schwierige Geschäft der Personenregie. Dafür bot sich die antike Götterwelt mit ihren ausgelassenen Banketten und freizügigen Amouren geradezu an, und auch hier hatten schon im späten 16. Jahrhundert die Niederländer entscheidende Vorarbeit geleistet.
Unablässig in Bewegung inmitten eben dieser blühenden Natur, stets Zerstreuung suchend und auf amouröse Abenteuer aus, so sind Platzers Götter. Der Meeresbeherrscher Neptun vereinigt sich mit Amphitrite, der Weingott Bacchus nähert sich Ceres, der Göttin des Ackerbaus, und der strahlende Apoll, seine Starrolle sichtlich auskostend, musiziert auf der Leier. Aus feierlichen Versammlungen, die über das Schicksal der Menschen bestimmen, ist ein lärmender, aber heiterer Umzug geworden. Das griechische Wort für „Umzug“ („komos“) ist übrigens geblieben, es steckt im Wort „Komödie“. Nichts anderes wollen Platzers Bilder sein. Aus der intellektuellen Anstrengung, einen humanistischen Bildsinn herauszulesen, ist ein reines Such- und Schau-Spiel geworden, das den Betrachter einlädt, es den Göttern gleich zu tun und sich mit den Augen ebenfalls buchstäblich ins Vergnügen zu stürzen. Und von solchen –im Übrigen recht teuren - Späßen konnten potente Sammler nicht genug haben, ließen sich doch so Kabinette leicht füllen. Man stelle sich das dazugehörige Mobiliar vor, und man erhält einen Eindruck von der Luxuskultur jener Zeit.
Ulrich Becker






