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Mit der Alten Galerie durch das Jahr

Die Große Holzschnittpassion von Albrecht Dürer

Albrecht Dürer (1471–1528)
Die Große Holzschnittpassion
12 Holzschnitte
Kupferstichkabinett der Alten Galerie,
Inv.-Nr. AG.K. 131–142
 

Im Kupferstichkabinett der Alten Galerie befindet sich eine ungebundene Ausgabe der sogenannten Großen Holzschnittpassion von Albrecht Dürer. Die Blätter stammen aus der Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelassenen Steirisch Ständischen Zeichnungsakademie, wie der fast durchgehend auf der Vorderseite der Drucke angebrachte blaue Stempel zeigt. 

Vier der zwölf Szenen umfassenden Passion sind mit der Jahreszahl 1510 im Holzstock versehen: Das letzte Abendmahl, Die Gefangennahme Christi, Christus in der Vorhölle und Die Auferstehung. Die Entstehung der übrigen undatierten Holzschnitte wird von der Fachwelt zwischen 1496 und 1499 vermutet. Diese früher bearbeiteten Drucke wurden von Albrecht Dürer vorerst als Einzelblätter auf dem Kunstmarkt angeboten. 1511 fügte der Künstler der Serie ein Titelblatt hinzu und publizierte diese mit einem lateinischen Text in Buchform. Dem Frontispiz kann man entnehmen, dass die Verserzählung in Hexameter von Benedictus Chelidonius stammt, einem Mönch des Nürnberger Schottenklosters St. Egidien, der diese aus geistlichen Dichtungen von Hieronymus Paduanus (gest. 1443), Dominicus Mancinus (tätig 1478–1491), Caelius Sedulius (5. Jh.) und Baptista Mantuanus (1447–1516) zusammengestellt hatte.

Albrecht Dürer hat sich – zeitlich parallel zu den 1510 entstandenen Blättern – in drei druckgraphischen Zyklen mit der Passionsgeschichte auseinandergesetzt: Neben der Großen Passion ist es die Kleine Passion in Holzschnitt (1508/09–1511) und die sogenannte Kupferstichpassion (1507–1512/13). Keine Darstellung desselben Themas gleicht der anderen. Dies spricht für die Experimentierfreudigkeit und das Genie Dürers. Die Kleine Holzschnittpassion ist mit 37 Szenen die umfangreichste Serie dieses Themas bei dem Nürnberger Künstler. Dabei beginnt er mit dem Sündenfall, der Vertreibung aus dem Paradies, der Verkündigung an Maria und der Geburt Christi, womit er die Symbolik vom Tod Christi als Überwindung der Erbsünde veranschaulicht.
Die Kupferstichpassion enthält 16 Illustrationen und endet mit Petrus und Johannes heilen einen Lahmen aus der Apostelgeschichte.
Neben der Großen Holzschnittpassion besitzt das Kupferstichkabinett der Alten Galerie auch die 16-teilige Kupferstichpassion.

Die Reihe der Großen Holzschnittpassion Dürers war von ihrer Veröffentlichung an in allen namhaften Künstlerwerkstätten vertreten. So hat bereits Albrecht Altdorfer 1512, also ein Jahr nach der Publikation der Holzschnitte, die Kreuztragung der Großen Passion für seinen Altar in St. Florian frei übernommen. Auch aus der Werkstatt des Zeitgenossen Veit Stoß ist bekannt, dass diese Folge als Vorlage verwendet wurde.





 

Die Bestände des Kupferstichkabinetts der Alten Galerie sind nach Voranmeldung einsehbar und Gegenstand regelmäßiger Lehrveranstaltungen der Grazer Universitäten.

Karin Leitner-Ruhe
Sammlungskuratorin Kupferstichkabinett, Alte Galerie